Brandschaden in der Praxis – wie eine Podologin die schwerste Krise ihres Berufslebens meisterte
Früh am Morgen klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldet sich die Polizei. In dem Mehrfamilienhaus, in dem sich die Podologiepraxis von Petra Rabenhofer befindet, brennt es. Wenig später steht sie vor dem Gebäude.
„Als wir dort angekommen sind, stand das Haus immer noch in Brand.
Das war schon eine sehr schlimme Situation.“
Zu diesem Zeitpunkt ahnt niemand, welche Folgen der Brand haben wird – für die Praxis, für das Team und für die Unternehmerin selbst. Was zunächst wie ein begrenzter Schaden erscheint, entwickelt sich in den folgenden Monaten zu einer Herausforderung, die nicht nur die Praxis, sondern das gesamte Team auf eine harte Probe stellt.
Die Praxis und ihre Inhaberin
Seit mehr als zwei Jahrzehnten prägt Petra Rabenhofer die podologische Versorgung in der Region Burglengenfeld in Ostbayern. Nach ihrer Ausbildung zur Arzthelferin entdeckte sie früh ihre Leidenschaft für die medizinische Fußpflege. Mit Einführung des Podologengesetzes entschied sie sich für die Ausbildung zur Podologin und eröffnete 2004 ihre erste Praxis.
Heute führt sie gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter Katharina eine Podologiepraxis mit vier Behandlungsräumen. Sechs Mitarbeiterinnen gehören zum Team.
Die Zukunft schien gesichert. Die Praxis war gut aufgestellt, die Abläufe eingespielt, die Patientenversorgung etabliert. Bis zu jenem Morgen, an dem der Anruf der Polizei alles veränderte.
Ein Brand mit ungeahnten Folgen
Die Praxis der Familie Rabenhofer befindet sich im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses. In einer der darüber liegenden Wohnungen war ein Feuer ausgebrochen. Später stellte sich heraus, dass ein technischer Defekt an einem Mini-Backofen die Ursache gewesen war. Glücklicherweise konnten sich alle Bewohner:innen rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Für die Praxis jedoch beginnt in dieser Nacht eine lange Phase der Unsicherheit. Zunächst scheint der Schaden überschaubar: Etwa ein Drittel der Räumlichkeiten – Geräte und Ausstattung – wurde unmittelbar durch Löschwasser und Löschschaum beschädigt. Die Polizei sperrt das Gebäude vollständig ab.
„Man wusste ja nicht, welche Substanzen sich im Löschwasser befinden.
Später wurde festgestellt, dass sich gesundheitsgefährdende Stoffe in Wänden und Decke abgelagert hatten.“
Die Hoffnung war groß, den Betrieb nach wenigen Wochen wieder aufnehmen zu können. Doch es zeigte sich, dass die Schäden weitreichender waren als zunächst angenommen.
„Der erste Gutachter ging von einem geringeren Schaden aus.
Nach wenigen Wochen sollte der Praxisbetrieb wieder aufgenommen werden.“
Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllen sollte.
Zwischen Hoffen und Warten: Monatelanger Praxisausfall
Bei weiteren Untersuchungen wird deutlich, dass sich unter dem Estrich der Praxis großflächig Löschwasser gesammelt hat. Die Folge: Der Estrich musste geöffnet werden, die Sanierung wurde deutlich umfangreicher als ursprünglich erwartet und die geplante Wiedereröffnung rückte in immer weitere Ferne.
Immer wieder finden Begehungen statt. Entscheidungen verzögern sich, die Sanierungsmaßnahmen kommen langsamer voran als erwartet, und die Patient:innen müssen mehrfach vertröstet werden.
„Wir haben gleich nach dem Brand alle Patient:innen angerufen. Zuerst haben wir die Termine vier Wochen verschoben, dann noch einmal. Aber irgendwann mussten wir feststellen, dass sich überhaupt nichts mehr bewegt, und haben die Termine komplett auf Eis gelegt.“
Für Praxisinhaber:innen kann eine so lange Unterbrechung existenzbedrohend werden.
Versicherungsschutz für Praxen: Im Ernstfall existenziell
Dass die Praxis trotz des langen Ausfalls bestehen konnte, führt Petra Rabenhofer auf eine bewusste Entscheidung zurück: Die umfassende Absicherung ihres Unternehmens. Neben einer Inhaltsversicherung für Inventar und Ausstattung verfügte ihre Praxis über eine Betriebsausfallversicherung, die den Jahresumsatz absichert.
„Ich würde das jedem dringend empfehlen. Ohne die Betriebsausfallversicherung wäre ich insolvent gewesen.“
Diese Absicherung ermöglichte es, die Gehälter weiter zu bezahlen und die laufenden Kosten der Praxis aufzufangen – trotz monatelangem Stillstand. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen von Petra Rabenhofer, wie wichtig eine lückenlose Dokumentation im Schadensfall ist. Nachdem die Polizei das Gebäude freigegeben hatte, filmte und fotografierte sie jeden Raum. Jeder Schaden wurde unmittelbar festgehalten und beschrieben.
Ein Team, das zusammenhält
Was Petra Rabenhofer besonders bewegt, ist die Unterstützung ihres Teams. Sechs Mitarbeiterinnen gehören zur Praxis. Viele verfügen über zusätzliche Qualifikationen, unter anderem im Bereich Medizinprodukteaufbereitung.
Während der Sanierungsphase übernehmen sie zahlreiche organisatorische Aufgaben und packen dort mit an, wo Hilfe gebraucht wird.
„Ich bin sehr stolz auf meine Mitarbeiterinnen. Sie haben unter diesen schwierigen Bedingungen mitgeholfen, neue Aufgaben übernommen und mich unterstützt. Ich bin froh, dass ich so ein tolles Team an meiner Seite habe.“
Die Krise machte sichtbar, was im Alltag oft selbstverständlich erscheint: Wie wertvoll engagierte Mitarbeitende für eine Praxis sind.
Verantwortung endet nicht am Behandlungsstuhl
Ein weiteres zentrales Thema ist die Verantwortung für die Sicherheit in der eigenen Praxis. Brandschutzbestimmungen, BG-Richtlinien, Dokumentation, Wartungen, Sicherheitsprüfungen und Versicherungen gehören nicht zu den Aufgaben, die im Praxisalltag unmittelbar an erster Stelle stehen. Dennoch können sie im Ernstfall entscheidend sein.
„Wenn man sich selbstständig macht, trägt man viel Verantwortung. Das wird einem oft erst im Laufe der Jahre wirklich bewusst.“
Die Gutachter prüften unter anderem Wartungsnachweise, die Validierung technischer Geräte, Brandschutzmaßnahmen und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Das macht deutlich: Alle Sicherheitsvorkehrungen sind relevant, auch wenn der Brand nicht direkt in der Praxis ausbricht.
Zwischen Beruf und Familie: Die persönliche Belastung
Während die Sanierung der Praxis nur langsam voranschreitet, muss Petra Rabenhofer auch privat mehrere Schicksalsschläge bewältigen. Zwei enge Familienangehörige versterben innerhalb kurzer Zeit. Gleichzeitig kämpft ihr Mann gegen eine schwere Erkrankung. Zwischen Krankenhausbesuchen, familiären Verpflichtungen und den Anforderungen rund um die Praxis galt es, jeden Tag neu zu organisieren.
„Es war ein Spagat zwischen der Versorgung meines Mannes, den Sorgen um die Praxis und den vielen organisatorischen Aufgaben. Das war eine sehr schwere Zeit.“
Im Februar verstirbt ihr Mann. 43 Jahre waren sie verheiratet. Seine letzte WhatsApp betraf den Wasserschaden in der Praxis - er hat sich noch bis zuletzt Gedanken um die Praxis gemacht.
Was langfristig bleibt
Die Sanierungsarbeiten sind noch nicht vollständig abgeschlossen. Dennoch blickt Petra Rabenhofer nach vorne. Die vergangenen Monate haben ihr viel abverlangt – als Unternehmerin und als Mensch.
„Entweder geht man in einer Krise unter oder man geht gestärkt daraus hervor.“
Für Petra Rabenhofer ist die Antwort klar. Gemeinsam mit ihrem Team und ihrer Familie hat sie diese Krise gemeistert.
Was bleibt, sind Erfahrungen, die sie heute gerne mit anderen Praxisinhaber:innen teilt: Die Bedeutung von Versicherungen, die Notwendigkeit einer sorgfältigen Dokumentation, die Verantwortung für Sicherheit und Organisation – und vor allem der Wert eines verlässlichen Teams.
Vorsorgen für die Krise: Fünf wichtige Empfehlungen
Aus ihrer Erfahrung leitet Petra Rabenhofer fünf wichtige Empfehlungen ab:
1. Betriebsausfall absichern
Ein längerer Praxisausfall kann schnell existenzbedrohend werden. Die Kombination aus Inhalts- und Betriebsausfallversicherung hat sich im Fall der Praxis Rabenhofer bewährt. Zusätzlich ist der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung empfehlenswert. So kann im Streitfall anwaltliche Hilfe herangezogen werden.2. Versicherungssummen regelmäßig prüfen
Wachsen Umsatz oder Inventar, sollten auch die Versicherungen angepasst werden. Denn nur der gemeldete Umsatz ist versichert.3. Schäden sofort und umfassend dokumentieren
Fotos, Videos und schriftliche Notizen können im Schadensfall entscheidend sein.4. Brandschutz konsequent umsetzen
Feuerlöscher, Brandmelder, Eingangstüren nach Norm: Regelmäßige Prüfungen, geschulte Mitarbeiter und aktuelle Dokumentationen erhöhen die Sicherheit erheblich.5. Ein starkes Team ist unbezahlbar
Krisen zeigen, wie wichtig Vertrauen, Qualifikation und Zusammenhalt im Praxisalltag sind.
Die Erfahrungen von Petra Rabenhofer zeigen, wie wichtig gute Vorbereitung, ein verlässliches Team und die richtige Absicherung sind. Wir danken ihr herzlich für das offene Gespräch und die wertvollen Impulse und wünschen ihr und dem Praxis-Team für die Zukunft alles Gute!
Fotos: @Petra Rabenhofer